Artikel: Was machen Tanzlehrer eigentlich tagsüber?

Lesezeit: 10 Minuten

Zugegeben: Es ist uns allen im Team schon mal passiert. Diese eine Frage, die jedem Tanzlehrer irgendwann in seiner Laufbahn begegnen wird. Ein wenig liebevoll schmunzeln müssen wir schon wenn es dann in einem passenden Moment raussprudelt aus dem Neugierigen: “Sag mal, wenn du Abends als Tanzlehrer Kurse gibst, dann hast du ja den ganzen Tag über frei. Das ist ja voll super!”

Der Alltag eines Tanzlehrers

Sicherlich, als Tanzlehrer verdienen wir unser Brot mit Tanzkursen. Und das ist es was wir lieben! Aber damit Abends in den Kursen alles rund läuft, gibt es auch tagsüber eine Menge zu tun. Viele unserer Tanzlehrer sind Freiberufler und haben nebenher einen anderen Job mit dem sie ihre Brötchen verdienen. Das Kernteam aber ist Profi und das bedeutet wir leben vom Tanzunterricht. Wie so ein Tag im Leben eines Tanzlehrers aussieht möchten wir euch hier vorstellen.

11.00 Uhr: Freizeit, eigenes Training und mehr.

Tanzlehrer kommen erst sehr spät nach Hause und daher stehen wir auch später auf als so manch anderer. Da kann es schon mal sein, dass der Wecker erst um 9 Uhr klingelt! Dann ist erst mal Freizeit, aber: Was macht man denn am Vormittag, wenn alle anderen in der Arbeit sitzen und Abends – Wenn wir dann arbeiten – unsere Freunde frei haben? Manchmal ist es schwierig als professioneller Tanzlehrer Kontakte außerhalb der Tanzschule zu halten oder zu knüpfen, wenn der Alltag einer so ganz anderen Rhythmik folgt als bei den meisten. Andererseits ist es auch schön gemütlich in den Tag zu starten und Zeit für sich zu haben. In den Geschäften ist es noch ruhiger, die Hausarbeit wird vormittags erledigt. Und auch trainiert wird in dieser Zeit. Denn damit wir Abends volle Power geben können müssen wir selber fit und gesund bleiben.

14.00 Uhr: Büro, Studio, Büro.

Gegen 14.00 Uhr beginnt der Arbeitstag eines Tanzlehrers. Manchmal stehen Teambesprechungen oder Meetings an, denn es gibt viel zu tun. Events und Parties werden geplant, Kurspläne werden besprochen, Trainer koordiniert, Getränke- und Klopapierbestellungen versendet und angepasst und auch die Raumbelegungen müssen geprüft werden, damit sich nichts überschneidet. Täglich erreichen uns eine ganze Menge Emails und Kursanmeldungen, die von uns bearbeitet werden. Vorformulierte Texte gibt es wenige – Die Anliegen der Schüler sind oft individuell und daher bemühen wir uns auch immer persönlich auf jede Email zu antworten.  Bei rund 40 Kursen kommt da eine ganze Menge zusammen und das Kernteam muss gut aufpassen, damit am Abend auch alles rund läuft und nichts vergessen wird.

Immer wieder stehen Großprojekte an: Swingbälle, Festivals und Werbeaktionen mit vielen hunderten Gästen aus aller Welt. Da heißt es dann auch mal Texte in andere Sprachen übersetzen und Webseiten aktualisieren oder Flüge und Hotels buchen für internationale Trainer, die für uns in Augsburg gastieren. Und dann wäre da natürlich noch das unleidige Thema Steuer, dem wir uns tagsüber widmen. Und auch das Studio muss in dieser Zeit auf Vordermann gebracht werden. Bei so vielen Menschen die täglich unsere Räume nutzen fällt auch hier eine Menge an, das restauriert, geputzt, repariert und aufgefüllt werden muss. Da wird die Zeit dann auch ganz schnell mal knapp.

16.00 Uhr: Privatstunden, Kursvorbereitungen, Training

Ab 16.00 Uhr beginnen die ersten Kurse, zum Beispiel für unsere Studenten im Hochschulsport. Aber auch Privatstunden stehen in dieser Zeit oft auf der Tagesordnung. Kurse müssen vorbereitet werden oder Musiklisten aktualisiert – denn keiner tanzt gerne immer auf den selben Schinken. Wenn mal etwas weniger los ist, dann wird auch gerne mal ein Extratraining eingelegt. Auch Tanzlehrer müssen schließlich fit bleiben. Deshalb trifft sich das Team auch immer wieder für ein Company Training. Hier stehen gemeinsame Tanzeinheiten, der Austausch aber auch Techniktraining und zum Beispiel wöchentlich Ballett auf dem Programm.

18.00 Uhr: Da steppt der Bär!

Ab spätestens 18.00 Uhr beginnen die Kurse und es gibt viel zu tun. An der Bar ist immer was los, zwischen den Kursen stehen wir beratend in allen Fragen zur Kursauswahl und zum Kursablauf zur Seite. Manchmal bleibt nicht mal Zeit um im Kurswechsel aufs Klo zu gehen, so viel ist los im Studio! Unsere letzten Kurse enden um 22.15 Uhr und im Anschluss genießen wir es den Arbeitstag an der Bar gemütlich ausklingen zu lassen. Bis gelüftet ist, die Gläser in der Spülmaschine, alles zusammengeräumt und abgesperrt ist es dann oft auch mal  23 Uhr – Und zu Hause ist man dann um Mitternacht. Eine Tanzlehrerkrankheit: Nach dem Sport hat man Hunger (auch wir!) und so gibt es oftmals noch einen Mitternachtssnack bevor es ins Bett geht. So direkt nach der Arbeit schlafen ist schwer, denn auch uns geht nach der Arbeit noch vieles durch den Kopf. Was ist gut gelaufen? Was kann verbessert werden? So ist es weit nach Mitternacht bis einem Tanzlehrer die Augen zufallen.

Wochenende: Nicht für Tanzlehrer!

Tanzlehrer arbeiten dann, wenn andere frei haben. So ist auch das Wochenende für uns Arbeitszeit. Workshops im eigenen Studio, aber auch oft im Ausland stehen an, am Sonntag sind sogar wöchentliche Tanzkurse und auch Privatstunden werden gerne am Wochenende gebucht. Und so ist Tanzlehrer ein Beruf der nur mit viel Leidenschaft und Herz für die Arbeit funktionieren kann. Belohnt wird man mit Menschen, die gerne zu einem kommen und Spaß an dem haben was man ihnen beibringen kann. Und das ist das größte Geschenk, das man einem Tanzlehrer schließlich machen kann.

Verena ist professionelle Tänzerin und Yogalehrerin. Sie reist regelmäßig durch Europa und die Welt um zu Tanzen, zu Unterrichten und sich Fortzubilden. // ENGLISH // Verena is a full time dancer and yogi who travels the world to learn about bodywork, movement and body mechanics. She teaches at the Hep Cat Club in Augsburg, Germany and at international festivals and events.

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